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2022-07-03 Sonntag Tag 29

Am 29-ten Reisetag erreiche ich nach 5652 km, gegen 11 Uhr das Nordkap. Ein bewegender Moment für mich stellt dies doch ein wesentliches Ziel dieser Tour dar. Es ist gleichzeitig der Wendepunkt, ein natürlicher, denn weiter in Richtung Norden geht es schließlich von hier aus nicht. Rechts, sowie links bieten sich auch kaum Optionen an.
Ich  nutzte die frühen Vormittagsstunden, um die restlichen Kilometer von Skaido bis zum Kap abspulen zu können. Das hat noch sehr schön gepasst. Strahlender Sonnenschein, Windstille, wenig Verkehr und kaum Touristen am Kap.
Das gegenseitige Fotografieren an der Weltkugel hat auch gut geklappt.
Tiptop würde der Schweizer bemerken.
Eigentlich hatte ich, mit Blick auf die vielen Biker auf der bisherigen Strecke, viel mehr Motorradfahrer erwartet. Eine Handvoll war an diesem Morgen dort. Auf der Strecke jedoch etliche Radler auf ihren letzten Kilometern zum Kap. Die haben hier noch ordentlich zu kämpfen. Da gibt es einen 6,8 km langen Tunnel. Der geht 250 Meter nach unten und 250 m nach oben, drinnen 8°C. Das ist wirklich hart. Gleich danach kommen sehr heftige Anstiege und das Eindrehen in einen fiesen Westwind, der über die Höhen pfeift. Chapeau vor all denen, die das schaffen.
Mit einem sehr noblen Nordkaphaus werden die Besucher hier verwöhnt. Restaurant und Giftshop, sowie einige Ausstellungen sorgen für Kurzweil, falls man draußen nichts sieht, eine gute Alternative. Das Restaurant bietet einen tollen Panoramablick hinaus aufs 300 m unter dem Kapfelsen liegende Eismeer. Es ist beachtlich, mit welchem Aufwand eine Straße gebaut wurde, lediglich, um diesen Ort erreichen zu können. Und es werden weitere Tunnel gebaut um die Anfahrt komfortabler machen zu können. Einen wesentlichen Teil des Tourismus machen sicherlich die „Kreuzfahrer“ aus. Im nahen Honningsvag können die großen Schiffe festmachen. Die Passagiere werden mit Bussen zum Kap transportiert.
Das Kap ist umgeben von einer hügeligen, vom Eis geschliffenen Felslandschaft. Nur bodennahes Gewächs bringt hier noch ein wenig Farbe ins Spiel.

Fresh breeze nennt das der Wetterbericht. Ich würde sagen, das sind heftige Sturmböen, welche seit den Mittagsstunden übers Land rauschen. Das fing am Kap aus der fast völligen Windstille heraus unvermittelt an zu pusten. Bei der Rückfahrt habe ich den Seitenwind stark zu spüren bekommen.
Zurück bin ich zunächst bis kurz vor Honningsvag, etwa 25 km südlich vom Kap. Dort konnte ich eine Hütte ergattern. Eine in Anbetracht des Windes gute Entscheidung, das Zelt hätte diesem Sturm kaum standhalten können. Zwei Nächte bleibe ich hier, da morgen die Wanderung zum „echten“ Nordkap ansteht. Ein Landpunkt, der noch ungefähr 1400 m nördlicher liegt als das Kap. Es ist nicht wie anzunehmen ein Messfehler, dass hier in unmittelbarer Nähe zum Nordkap eine Landzunge noch etwas weiter in Richtung Pol ragt und diese nicht zum Nordkap gekürt wurde. Die Namensgebung wurde vielmehr durch die Havarie eines Schiffes verursacht. 1553 strandete ein englischer Kapitän mit seinem Gefährt just am heutigen Kap-Felsen, welchen er bei der Meldung an seine Vollkaskoversicherung mit „North Cape“ bezeichnete. Seitdem ist das nun so.
Fresh breeze und die Hütte bebt. In der Nacht lässt der Wind nach, für morgen ist Sonnenschein angesagt, jedoch soll es kaum wärmer als 10°C werden.

Begegnung kurz vor dem Kap. Tag 29
Ein Radler kurz vor dem Ziel. Tag 29
Mein zweites Rentier in Skandinavien. Tag 29
Kugelplatz am Kap. Tag 29
Die Erdkugel am Kap. Tag 29
Beweis. Tag 29
Blick vom Kapfelsen in Richtung Westen. Tag 29
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