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2022-06-22 Mittwoch Tag 18

Die Tür der Hütte geöffnet, um das windige Tosen des Tvindefossen zum Durchlüften zu benutzen.
Gleichzeitig sind am Himmel, in der Wolkendecke, kleine Öffnungen zu sehen. Da schimmert blauer Himmel durch. Der Deckel kann also nicht allzu mächtig sein. Gegen 9 Uhr rolle ich los, das Ziel für heute der Ort Lom, welchen ich nach etwa 250 km Fahrt erreichen könnte.
Lom unter anderem auch deswegen, weil dies der Ort in Norwegen mit den geringsten Niederschlagsmengen ist. So wenig Regen fällt hier im Jahr, dass die Farmer lange Wassergräben von den Gebirgsbächen bis zu ihren Feldern hingezogen haben, um das kostbare Nass an die Saat zu bringen.
Es wird heller, die Sonne beleuchtet mehr und mehr die Szenerie. Das Grün ist wieder grün. Das Wasser spielt mit dem Licht.
Die Lebenszeit, welche wir vor roten Ampeln verbringen, verbrauchen vermutlich die Norweger für Tunneldurchfahrten. Es ist unglaublich, wie viele Tunnel hier angelegt sind, da kommen die Schweizer lange nicht mit. Das sind oft auch solche mit mehreren Kilometern Länge.
Es dient dem Vorankommen, verklärt jedoch ein wenig den Blick auf die Umgebung.
Alte Straßenverbindungen, welche in früheren Zeiten die Höhen überwunden haben, wurden jedoch erhalten. So auch die Tyinkrysset-Bergstraße.. Diese startet im Ort Ovre Ardal am östlichen Ende des Sognefjords und führt über fast 70 km durch die phantasiche Bergwelt des Jotunheimen-Nationalparks.
Das fahrende Klettern geht von Fjordhöhe, also Höhe Null, bis auf 1500 Meter. Spannend ist hier der frühe Beginn einer alpinen Landschaft. Ab etwa 800 m sind keine Bäume mehr zu sehen, darüber nur noch glatt geschliffene Felslandschaft. Diese ist Mitte Juni zum größten Teil noch schneebedeckt. Die Seeflächen sind dick zugefroren.
Die Sicht ist prima, es ergeben sich immer wieder imposante Blicke über diese Landschaft.
Die Straße wird fast ausschließlich von Touristen befahren.
Beeindruckt war ich von der Geduld zweier Jugendlicher, welche an einem Aussichtspunkt auf der einsamen, windigen, kalten Höhe, aus einem Imbisswägelchen heraus Kaffee und Waffeln verkauften. Der Bub war mit seinem Smartphone zuständig für die Kartenzahlungs-APP, das Mädchen verzierte die bestellte Waffel mit dem gewünschten Aufstrich.
Fast die Hälfte der heutigen Fahrzeit habe ich auf dieser Straße verbracht.
In Lom, dem steht die oder einer der größten Stabkirchen Norwegens. Meine erste Stabkirche in Norwegen. Erbaut wurde sie um 1150. Mehrfach aus- und umgebaut, seit Mitte des 17. Jahrhunderts jedoch fast unverändert.
Ein junger Mann erzählte den Besuchern aus der Geschichte der Kirche. Nett, der Polizieiinspektor, hatte, so wie der Doktor des Ortes eine eigene Empore. Der Gesetzeshüter hatte das Problem, dass er in seinem Office ( das Office war eine Farm ), während seiner Abwesenheit, eventuell anwesende inhaftierte nicht sicher genug unterbringen konnte. So nahm er diese einfach mit zur sonntäglichen Andacht. Hilfreich(?) war dann auch eine im Kirchenraum installierte Kammer, mit großen Fenstern, in die er die Häftlinge hinein setzen konnte. Das gesamte Publikum hatte somit  die Chance, sich die aktuellen „Kriminellen“ genauer anzuschauen.

Vor dem Anstieg auf die Höhen durchfuhr ich „Flam“. Durch den Sognefjord schippernd, erreichen auch große Kreuzfahrschiffe diesen Ort. Das einzige Angebot ist der Umstieg in die Flam-Bahn. Die steilste Normalspurstrecke der Welt führt auf 865 m Höhe. Oben gibt es weitere Bahnlinien in Richtung Oslo und Bergen. Unterwegs, wenn man Glück hat, kann man dem Gesang einer Trollfrau lauschen.
Stegastein mit einer markanten Aussichtsplattform „zwang“ auch noch zu einem Fotostop.

Morgens nach dem Start vom Tvindefossen. Tag 18
Stegastein. Aussicht hinunter auf den Sognefjord. Tag 18
Winterlandschaft auf der Tyinkrysset-Straße. Tag 18

Imbiss mit Kaffe und Waffel in eisiger Höhe. 5°C. Tag 18
Abgetaute Insel in 1500 m Höhe. Tag 18
Die Straße liegt auf dem Gelände. Tag 18
Rückblick auf die Tyinkrysset-Straße. Tag 18
Kreuzfahrer im Sognefjord mit Kurs auf Flam. Tag 18
Stabkirche in Lom. Erbaut in 1150. Tag 18
Innenraum Stabkirche Lom. Tag 18
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